Die Sonnenfinsternis 1999

Es war so weit, 12. August 1999 7 Uhr morgens. Der erste Blick nach dem Aufstehen gilt heute dem Wetter. Der Himmel ist bedeckt, aber Lücken in der Wolkendecke lassen darauf hoffen, dass wir etwas von dem Jahrhundertereignis in unserer Gegend sehen werden - der Sonnenfinsternis. Also kurz gefrühstückt, die beiden Fernrohre mit Zubehör, Fotoapparat, Sonnenfilter, Messgeräte und Regenschutz ins Auto gepackt und zum abgemachten Beobachtungsplatz gefahren. Um 10:15 Uhr haben wir unsere Fernrohre alle fertig aufgebaut, aber es fehlt noch das Publikum für das Ereignis. Obwohl es mitten in den Ferien ist, haben sich einige interessierte Schüler angesagt und tatsächlich, um 10:30Uhr am Haupteingang der Schule warten 10 Schüler um mit uns zum Beobachtungsplatz zu fahren. Rechtzeitig um sich in aller Ruhe noch auf das Ereignis einzustimmen und vorzubereiten, sind wir um 11Uhr bereit. Der Mond kann kommen.

Ein skeptischer Blick zum Himmel lässt allerdings nur hoffen, dass die dicke Wolke schnell genug vorbeizieht, die die Sonne gerade verdeckt. Und wirklich genau zum richtigen Zeitpunkt kurz vor 11:15 Uhr tut sich eine Lücke in der Wolkendecke auf und wir können die erste Berührung von Sonne und Mond direkt beobachten.

Die Zeit danach ist ausgefüllt mit fotografieren, Temperatur messen, Listen führen und Gesprächen über das Gesehene. Dazwischen müssen wir auch noch Schutz vor Regen suchen und wieder auf das nächste Wolkenloch warten, so dass uns die Zeit nicht lang wird bis 12:35Uhr zum großen Showdown. Allmählich wächst die Spannung, aber auch das Wetter wird unberechenbarer. 12:30 Uhr eine Lücke in den Wolken ist über uns, aber die Wolken ziehen sehr schnell. Hoffentlich bleibt die Lücke bis zur vollständigen Verfinsterung. 12:34Uhr die Lücke wird kleiner und unsere Hoffnung auf den Anblick der leuchtenden Korona sinkt genauso schnell wie sich das Loch schließt. Nur noch knapp 2 Minuten, wir haben uns doch den Blick auf die Korona wirklich verdient. Der Schatten des Mondes - auf der Wolkendecke sichtbar - fliegt aus Westen kommend heran. 12:36 Uhr, die Wolkendecke schließt sich, die Bedeckung wird dichter, die zweite Berührung die vollständige Verfinsterung und das Aufleuchten der Korona - gerade noch können wir den entscheidenden Moment durch die dicker werdenden Wolken beobachten. Jubelnd freuen wir uns, dass wir die Korona noch sehen können, dann ist der direkte Blick auf die Sonne leider verdeckt. Aber trotzdem beeindrucken die 2 Minuten Dunkelheit mitten am Tag alle.

12:38Uhr der Schatten des Mondes rast über uns hinweg und es wird wieder heller, die - wieder besseres Wissen - aufgestaute Spannung fällt ab, die Sonne scheint wieder und wir sind froh darüber, auch wenn uns ein kräftiger Regenschauer unter die Regenschirme verjagt. Da die Wolkendecke nicht den Eindruck macht, als wollte sie den Blick auf die Sonne noch einmal freigeben, treten einige tief beeindruckt und triefend nass den Weg nach Hause an. Nur ein paar Hartnäckigeharren noch aus und erhaschen durch kleine Löcher in der Wolkendecke immer wieder den einen oder anderen Blick auf die Sonne, die der Mond wieder frei gibt.

13:15 Uhr der nächste Regenschauer verjagt die nächsten Aufrechten und die Wolken lassen keine schnelle Besserung mehr erwarten. Trotzdem halten wir bis zum Ende aus immer darauf lauernd, dass sich noch die eine oder andere Aufnahme schießen lässt. Um 13:45 Uhr, die vierte und letzte Berührung des Mondes mit dem Sonnenrand konnten wir leider nicht sehen, bauen wir unsere Fernrohre ab und fahren zufrieden - es hätte auch schlechter kommen können - vor allem aber tief beeindruckt wieder nach Hause. Für viele, auch für mich, war es wahrscheinlich die einzige Gelegenheit eine vollständige Verfinsterung der Sonne zu sehen, und diese Gelegenheit haben wir allen Widrigkeiten zum Trotz so gut wie möglich genützt.

Zum Abschluß bieten wir Ihnen eine kleine selbstgestrickte Animation unserer Sonnenfinsternisaufnahmen.

Sofi-Animation

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